Hatte krankes Chamäleon ausgesetzt Vermeintlicher Tierretter als dreister Betrüger entlarvt

Ein erkranktes Chamäleon wurde in München offenbar von seinem Besitzer ausgesetzt. Dieser hatte sich vor den Tierschützern zunächst als Retter inszeniert.
Es klang wie eine rührende Rettungsgeschichte: Ein Passant will auf einem Wertstoffhof in Eichenau Kartons entsorgen, hört Kratzgeräusche aus einer Styroporbox und entdeckt ein Pantherchamäleon. Der Mann eilt zur Hilfe und gibt das frierende Tier bei der Auffangstation für Reptilien in München ab. Doch nun stellt sich heraus: Der angebliche Fund war eine Lüge.
Der Mann, der sich zunächst als Held inszenierte, hatte das Chamäleon offenbar selbst ausgesetzt. Mitarbeiter der Auffangstation deckten den Betrug auf, als sie eine Online-Anzeige für ein Terrarium entdeckte. Auf einem der Angebotsfotos: Ein Chamäleon mit auffällig identischer Umfangsvermehrung am Auge. Die Kontaktdaten der Anzeige stimmten mit denen des "Finders" überein.
Tierschützer alarmieren Polizei
Die Enttäuschung bei den Tierschützern ist groß. "Wir hätten sicher eine Lösung gefunden, wenn der Halter sich an uns gewandt hätte", erklärt die Auffangstation. Stattdessen wurde das Tier einfach ausgesetzt und die Helfer belogen.
Der Fall wurde umgehend bei der Münchner Polizei gemeldet. Eine Kontaktaufnahme mit dem Beschuldigten blieb bislang offenbar erfolglos – er soll sämtliche Anrufe blockieren und nicht auf die Nachrichten der Tierschützer reagieren. Deshalb wolle die Auffangstation nun juristische Hilfe einschalten.
Chamäleon "Lucifer" braucht Genesungspaten
Immerhin: "Lucifer" hat seine erste Operation gut überstanden. Die Schwellung am Auge war ein Abszess, vermutlich durch einen Fremdkörper verursacht. "Das ist an sich nicht schlimm", sagt Dr. Markus Baur, Leiter der Station. "Problematisch wird es, wenn so etwas nicht behandelt wird."
Wer nun für die Behandlungskosten aufkommt, ist unklar. Fundtiere sind Sache der Kommune, doch der Betrugsfall erschwert die Klärung. Bis zur vollständigen Genesung wird "Lucifer" in der Auffangstation versorgt – mit Kosten von bisher 700 Euro, Tendenz steigend. Die Station bittet daher um Spenden oder Genesungspatenschaften.
"Der Fall zeigt leider wieder einmal, wie wichtig Verantwortungsbewusstsein bei der Haustierhaltung ist", betont die Station. Für den mutmaßlichen Halter könnte es teuer werden: Das Aussetzen von Tieren ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und kann mit einer empfindlichen Geldstrafe geahndet werden.
- Pressemitteilung der Auffangstation, 27. Februar 2025