Kostenexplosion erwartet Ein Desaster für Münchner Pendler – zweite Stammstrecke kommt viel später

Die zweite Stammstrecke für die Münchner S-Bahn wird viel teurer und verspätet sich massiv. Die Bundesregierung enttäuscht dabei Stadt und Land.
Die zweite S-Bahn-Stammstrecke in München könnte viel teurer werden und deutlich später in Betrieb gehen als erwartet. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag sprach Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) davon, dass nach Berechnungen des Freistaats bis zu 7,2 Milliarden Euro für die Strecke fällig werden können. Bislang war man von 3,8 Milliarden ausgegangen.
Die in einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" von Donnerstag genannten Zahlen werden damit noch einmal gesteigert – zum Nachteil des Projekts. Dort war von einer Kostensteigerung auf fünf Milliarden die Rede und davon, dass die Strecke erst 2033 statt wie bislang geplant 2028 in Betrieb gehen könnte. Bernreiter nannte nun möglicherweise das Jahr 2037 als Start. Zudem kritisierte er Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP).
Krisengespräch mit Söder zu Münchner S-Bahn platzt kurzfristig
Der war zu einem Krisengespräch in der bayerischen Staatskanzlei mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Bernreiter (CSU) und der Zweiten Bürgermeisterin von München, Katrin Habenschaden (Grüne), erwartet worden. Diesen Termin hatte Wissing nach Angaben Bernreiters jedoch am Mittwochabend abgesagt, ohne Angabe von Gründen oder einem Ausweichtermin. Das sei "schlechter Stil", sagte Bernreiter.
Eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagte, die DB stehe mit den Projektpartnern im regelmäßigen Austausch. "Das umfasst auch die Zeit- und Kostenpläne des Projekts. Zu der Berichterstattung möchten wir uns nicht äußern."
Alle Münchner S-Bahnen müssen auf der 1972 zu den Olympischen Spielen eröffneten Stammstrecke in einem Tunnel die Münchner Innenstadt unterqueren. Um dieses Nadelöhr zu beseitigen, wird auf rund zehn Kilometern eine zweite Stammstrecke gebaut. Im Oktober 2016 haben der Bund und der Freistaat Bayern die gemeinsame Finanzierung vereinbart. Danach trägt der Bund 60 Prozent der förderfähigen Baukosten. Zugrunde lagen die damals von der Deutschen Bahn errechneten Gesamtkosten von 3,85 Milliarden Euro.
- Christian Bernreiter: Äußerungen auf Pressekonferenz vom 30. Juni
- Nachrichtenagentur dpa