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Zum journalistischen Leitbild von t-online.Aktion in München Protest der "Letzten Generation" bleibt friedlich

Die "Letzte Generation" will den Protest in Bayern verschärfen. Doch bei einer ersten Aktion in München bleibt es friedlich – nur ein paar Autofahrer reagieren genervt.
Bevor am Donnerstag auf der Herreninsel am Chiemsee die großangelegte Pressekonferenz der "Letzten Generation" abgehalten wird, sollte am Vorabend in München ein Protestmarsch stattfinden. Treffpunkt: 18 Uhr, Odeonsplatz. Via Instagram wurde eifrig Werbung für die Teilnahme gemacht, auch Sympathisanten waren willkommen.
Um Punkt 18 Uhr fehlte von Demonstranten im Zentrum Münchens allerdings jede Spur. Lediglich zwölf Streifenpolizisten und der ein oder andere Reporter hatten sich auf dem verregneten Platz vor der Theatinerkirche eingefunden.
Dann, gegen 18.15 Uhr, tut sich was: Immerhin eine kleine Gruppe von Menschen erscheint vor Ort. Gelbe Westen werden angelegt, Flaggen ausgepackt, Banner verteilt.
München: Molekularbiologin unter den Demonstranten
Eine Dame fällt auf: Sie trägt einen weißen Kittel und spricht appellierend in eine selbstorganisierte Kamera. Es ist Johanna Scheuermann. Genauer gesagt Prof. Dr. med. Dr. rer. Nat. Johanna C. Scheuermann. Sie ist Professorin für Biochemie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Molekularbiologin und Ärztin. Es sei an der Zeit, etwas zu ändern, sagt sie. "Wir dürfen unseren Frust und unsere Angst nicht länger destruktiv nutzen, sondern müssen künftig appellierend an Politiker herantreten".
Einer der übrigen Demonstranten, ein junger Mann um die 25, geht indes zu den Beamten hinüber und wechselt einige Worte mit ihnen. Schließlich lässt er über ein Mikrofon verlauten, dass die Polizei einen Marsch der Gruppe in Richtung Karlsplatz abgesegnet hätte. "Wir werden uns nirgends hinsetzen oder hinkleben. Wir werden nicht pöbeln, wir bleiben gewaltfrei in Sprache und Handeln und wir werden auf jegliche Schlachtrufe verzichten", kündigt er mit schallender Stimme an.
Autofahrer beschweren sich laut hupend
Schließlich ziehen also 37 Erwachsene und ein Baby los, in gemäßigtem Tempo und schweigend geht es über die Brienner Straße und den Maximiliansplatz weiter in Richtung Stachus. Begleitet wird der Zug von drei Streifenwagen und einer Handvoll Polizisten.
Obwohl sich keiner der Demonstranten festgeklebt hat, kommt es dennoch zu einer Behinderung des Verkehrs. Laut hupend beschweren sich einige Autofahrer, weil sie aufgrund des kleinen Zuges vorübergehend die Kreuzung an der Ecke Brienner Straße nicht befahren können. Ansonsten bleibt es unaufgeregt an diesem Abend in München.
- Eigene Recherche vor Ort